Taxifunk Berlin - Ein Taxifahrer schreibt
20.12.2009
von:
Tom Hirschmüller
Tom Hirschmüller fährt bereits sehr lange Taxi. Ich kenne ihn aus unserer gemeinsamen Zeit in der Tarifkommision des Berliner Taxigewerbes. Er bleibt ruhig und besonnen, wenn anderen bereits vor Wut der Dampf aus den Ohren quillt. Seine Argumente sollte man sich deshalb anhören. Hier ist sein offener Brief an den Taxifunk Berlin:

Sehr geehrte Geschäftsleitung, Technik etc.,

 

nach einigen unruhigen Wochen in Bezug auf die Umstellung des Funkvermittlungssystems möchte ich heute weitestgehend emotionsfrei und sachlich meine Erfahrungen mit fms und den Problemen berichten. Fangen wir mal mit den Fakten an, die zugunsten von fms sprechen. Das Ziel, durch voll digitalisierte Auftragsannahme die Quantität massiv zu erhöhen, scheint in Ansätzen ja zu funktionieren. Dies berichten mir auf Anfrage die Fahrgäste. Die damit zurechtkommen, sehen es durchweg positiv. Ausnahmen bestätigen die Regel, doch dazu später. Für uns als Taxifahrer sind die Tatsachen, dass das automatische Einloggen in einen Halteplatzbereich resp. automatische Aktualisieren in Echtzeit eine weitestgehende Aufhebung möglicher Manipulation bedeutet, ein Fortschritt. Ein Schmankerl eher für die persönliche Statistik ist die genaue Zeiterfassung am Halteplatz, so sieht jeder, dass man nicht 3 Stunden, sondern nur 2 Stunden 43 an einem Halteplatz gestanden hat. Noch ein weiterer positiver Punkt ist die große Schrift im Sektorenspiegel. Das war es dann aber auch schon mit der ganzen Euphorie.


Die Palette der Nachteile und Unzulänglichkeiten im Vergleich mit gefos ist leider immer noch zu groß und wir auf der Straße haben auch nur beschränkte Hoffnung auf Besserung. Nichtsdestotrotz möchte ich auf einige Sachen hinweisen, die die Arbeit im neuen System belasten. Als einen Hauptgrund für massive Kritik ist die stark verzögerte Bedienbarkeit im PDA. Im Gespräch mit der Technik wurde mir erklärt, das liegt im Gegensatz zu gefos an der ausschliesslichen online-Arbeitsweise des Systems. Okay, aber ich bitte zur Kenntnis zu nehmen, dass eine zeitaufwändige Menüführung eventuell auch zu Gefahren im Straßenverkehr führen kann, da mit dem PDA auch häufig im Fahrbetrieb gearbeitet wird.


Apropos Menüführung. Einen wirklichen Fortschritt bei dieser komplizierten und vor allem zeitaufwändigen Bedienung des PDA kann ich nun wirklich nicht erkennen. Es müsste doch möglich sein, das Abrufen von Funktionen zu vereinfachen. Weitere Kritikpunkte beziehen sich z. B. auf die Schriftgröße bei den Infos, Aufträgen, Halteplatzpositionen... Ich bitte zu bedenken, eine Großteil der Fahrer hat die 30 schon seit längerem überschritten... Weiterhin ist das Verlassen eines Sektors ohne manuelles Abmelden und Wiederanmelden nicht möglich. D. h., ich muss mich pro forma erstmal an einem anderen Halteplatz anmelden um mich dann wieder an dem eigentlichen Halteplatz anzumelden. Das verstehe wer will. Dieses Prinzip ist auch zu beobachten bei der Zielmeldung auf einen Sektor mit Fahrgast. Nach Beenden der Fahrt und Anmelden auf den entsprechenden Halteplatz habe ich eher den Nachteil der verzögerten Zielmeldung als den Vorteil eines Auftragsangebotes in Fahrt. Meine Konsequenz: keine Beantwortung der Frage ... wohin? ... Was mich persönlich weniger tangiert, aber im Kollegenkreis ebenso stark bemängelt wird, ist die fehlende Möglichkeit das Navigationssystem zu nutzen. Auch hier wurde mir bereits versichert, daran wird gearbeitet. Für eine voraussichtliche Terminierung wären wir alle äußerst dankbar. Ebenso wird von Kollegen vermisst, die entsprechenden Koordinaten im Stadtplan mit dem Auftrag zu übermitteln. Einige meiner ursprünglichen Kritikpunkte sind zwischenzeitlich behoben bzw. geändert, z.B. die immensen Vorlaufzeiten bei Vorbestellungen. Aber es gibt sie noch, die Vorbestellungen mit 15 oder 20 Minuten. Ich denke mal, da gibt es noch Nachholbedarf dies zu korrigieren.


Was mir persönlich noch aufgefallen ist, die Auftragssignalisierung auf das Handy ist inzwischen aus dem Menü in die Fahrereinstellung gerutscht... mit Absicht?

Abschließend möchte ich mich nochmals auf unser gemeinsames Hauptklientel, die Fahrgäste beziehen. Auch sie haben mit den Neuerungen teilweise zu kämpfen. Die Aufgabe der Funkzentrale ist es m.E. dafür zu sorgen, Sicherungssysteme einzubauen und somit Mehrfachbestellungen und daraus resultierende Fehlfahrten zu vermeiden. Auch der fehlende Informationsfluss in Bezug auf die doch immensen technischen Probleme bei der Umstellung war eher suboptimal und hat doch zu vermeidbaren Stresssituationen geführt. Die Krönung war dann allerdings der Teil im Beitrag in der ral 1015, wo große Dankbarkeit und Zufriedenheit über die reibungslose Umstellung geäußert wurde. Das war allerdings genau das Gegenteil, was wir, die Taxifahrer und -unternehmer erwartet haben. Eine Entschuldigung evtl. Erklärung wäre diesmal wirklich angebracht gewesen.


Ungeachtet dessen hoffe ich darauf, dass die gröbsten Schwierigkeiten hinter uns liegen und wir irgendwann mal den Zustand erreichen werden, der als Ziel über allem stand: die Verbesserung der Situation im Berliner Taxigewerbe zu erreichen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Tom Hirschmüller 

 

Taxi 6444

 


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