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| Senator Nußbaum und das Berliner Taxigewerbe 28.05.2009 |
von: Richard Leipold |
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Am 27.05.2009 war der neue Berliner Finanzsenator Dr. Ulrich
Nussbaum bei der Industrie und Handelskammer in Berlin zu Gast. Beim
Unternehmerfrühstuck stellte er seine Vorstellungen und Positionen dar. Er
erhielt freundlichen Beifall. Herr Dr. Nussbaum ist ein eleganter und sympathischer Mann.
Und das muss er auch sein, denn seine
Pläne sind weder elegant noch sympathisch. Eine Schuldenobergrenze einzuziehen, um
die von ihm zu Recht beklagte Staatsverschuldung einzugrenzen, hält er für
Placebo. Die Freiberufler will er zur Gewerbesteuer veranlagen. Die reduzierten
Steuersätze möchte er angleichen, selbstverständlich nach oben. Der Finanzsenator Nussbaum ist ein schwerhöriger Mann. Das
kann ich gut verstehen, denn ich bin Schatzmeister in einem Gewerbeverband. Das ist eine Art „Bonsai-Finanzsenator“. In so einem Amt kann es passieren, dass
finanzielle Forderungen an einen herangetragen werden, die man besser überhört.
Schwerhörigkeit ist da von Nutzen. Ich stellte Herrn Nussbaum zwei Fragen. Die erste lautete,
ob ich den Mitgliedern meines Verbandes mitteilen solle, dass der Berliner
Finanzsenator sich dafür einsetzen werde, die Umsatzsteuer für das Taxifahren
von 7 % auf 19 % anzuheben. Bei guter Kassenlage in Berlin, leitete ich meine
zweite Frage ein, sei es nicht gelungen den Haushalt zu konsolidieren. Sei es
denn absehbar, dass die Mehreinnahmen aus dem Geldbeutel des armen Taxigewerbes
einen wesentlichen Beitrag zu Lösung des desolaten Zustandes des Berliner
Landeshaushaltes leisten könne? Die zweite Frage überhörte der Senator, genau wie die Frage nach
seiner Haltung zu Abschaffung der „kalten Progression". „ Sie haben da eine
wunderbare Frage gestellt“, antwortete er mir. „Bei jedem Änderungsvorschlag im
Steuerecht wird ein Gewerbevertreter aufstehen, seine Einwände vorbringen und
versuchen das Partialinteresse seiner Gruppe auf Kosten des Allgemeinwohls
durchzusetzen.“ Er sagte nicht, dass das Taxigewerbe sich nicht so haben solle.
Der Senator wies mich nur darauf hin, dass wir ja keinerlei Schaden aus so
einer Steuererhöhung hätten. Wir würden uns das Geld doch sowieso von den
Kunden wieder holen. Nun hat einmal ein böser Mensch gesagt, in Berlin gebe es keine Straßenräuber mehr, weil alle Menschen mit so einer Charakterschwäche bereits einen Taxischein hätten. Ich will hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass das nicht wahr ist. Allerdings frage ich mich, wovon unsere Kunden die erhöhte Umsatzsteuer bezahlen sollen. Werden sie uns nicht sagen, dass sie gerne unsere Dienstleistung in Anspruch nehmen würden, aber leider, leider wäre der Senator Nussbaum bereits bei ihnen gewesen?
Beim Frühstück in der Industrie und Handelskammer hat er von der dort versammelten Unternehmerschaft freundlichen Beifall erhalten. Herr Eder wünschte dem Senator, dass dies auch so bleibt. Diesem Wunsch schließe ich mich an. |
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