Konferenzbericht „Innovationen im
Taxi- und Mietwagengewerbe. Neue Formen der Taxi-ÖPNV-Kooperation“ am 2. April
2009 im WZB.
Marc Schelewsky berichtet:
Am 2. April fand im Wissenschaftszentrum
Berlin für Sozialforschung Berlin (WZB) die Konferenz „Innovationen im Taxi-
und Mietwagengewerbe. Neue Formen der Taxi-ÖPNV-Kooperation“ statt. Die vom
Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), der
S-Bahn Berlin und dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB)
organisierte Konferenz verfolgte das Ziel einen Dialog zwischen dem
Taxigewerbe, ÖPNV-Unternehmen anzustoßen und anhand von
Best-Practice-Beispielen mögliche Kooperationsformen aufzuzeigen.
Prof. Andreas KnievomInnoZ führte durch die
Veranstaltung, die abschließende Diskussion leitete Weert Canzler vom WZB. Zahlreiche
Vertreter aus dem Taxigewerbe, Politik,ÖPNV-Unternehmen, und Verwaltung nahmen
an der Veranstaltung teil.
Einleitend stellte Marc Schelewsky(InnoZ) die gesellschaftlichen Implikationen
von Taxi-ÖPNV-Kooperationen durch eine Gegenüberstellung der verschiedenen
Verkehrsformen heraus. Das Taxi kann als Verkehrsform zwischen MIV und Ö(PN)V
positioniert werden, da es Eigenschaften beider Verkehrsformen in sich
vereinigt. Als MIV-ÖV-Hybrid ergeben sich dann sowohl Chancen als auch Risiken.
Die Risiken bestehen vor allem darin, in dieser Stellung zwischen MIV und ÖPNV
vom Kunden nicht wahrgenommen zu werden und somit die spezifischen Potenziale
nicht entfalten zu können. Die Chance besteht hingegen darin, in Ergänzung mit
dem ÖPNV, genau diese Potenziale und Besonderheiten besser herauszustellen und über
kundenorientierte Angebote mehr Marktanteile zu erreichen.
Felix Pohl (S-Bahn Berlin) schloss
in seinem Beitrag an die vorherigen Ausführungen an und konkretisierte die
spezifischen Eigenschaften von Taxi und S-Bahn und in welcher Form sie sich zu
attraktiven Angeboten ergänzen lassen. Herausforderung, aber auch Anspruch
sollte eine win-win-win-Situation sein, in der nicht nur die beteiligten
Unternehmen profitieren, sondern auch dem Kunden mehr Service und mehr
Flexibilität bei der Nutzung des ÖV geboten wird.
Zahlreiche Beispiele aus der Praxis,
wie eigenwirtschaftliche Angebote und Produkte durch die Integration von Taxis
und ÖPNV gestaltet werden können, zeigte Martin Röhrleef (TaxiBus GmbH
Hannover, üstra) auf. In Hannover wurde für solche Kooperationen ein
Gemeinschaftsunternehmen, die TaxiBus GmbH, zwischen Taxigewerbe und ÖPNV
geschlossen. Basis für den Erfolg derartiger Angebote, so die Kernaussage des
Vortrags, besteht in der Formulierung gemeinsamer Ziele und der Überwindung
eines Konkurrenzdenkens, entsprechend dem Motto: Besser mit- statt
gegeneinander.
Wolfgang Oertel (Vorstandsmitglied
BZP und Vorsitzender der Taxigenossenschaft Chemnitz) ging in seinem Vortrag
auf die organisatorischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von AST und
ALiTa-Verkehren ein. Auch in seinem Fazit betonte Herr Oertel, dass nur in der
gemeinsamen Herausarbeitung der systemimmanenten Vorzüge und Nachteile beider
Sparten die Chance besteht, integrierte Mobilitätsangebote umzusetzen, die
sowohl die konkreten Mobilitätsbedürfnisse der Kunden als auch ökonomische und
ökologische Aspekte berücksichtigen.
Die Veranstaltung schloss mit einer
kurzen Podiumsdiskussion und Fragen aus dem Publikum. Hier kristallisierten
sich vor allem zwei wesentliche Erkenntnisse heraus. Zunächst wurde als größtes
Hemmnis gemeinsamer Kooperationen auf die unterschiedlichen Unternehmenskulturen
verwiesen. Doch gleichermaßen konnten sich alle Anwesenden auf die
Notwendigkeit verständigen, den durch die Veranstaltung angestoßenen Dialog
fortzuführen, um diese als „mental“ bezeichnete Hürde zu überwinden und mit
gemeinsamen Angeboten einen Beitrag zu einer attraktiveren, aber auch
ökonomisch und ökologisch nachhaltigen öffentlichen Verkehrslandschaft beizutragen.