Taxi-ÖPNV-Kooperationen
11.04.2009
von:
Richard Leipold

Gemeinsam statt gegeneinander –

Konferenz zu Taxi-ÖPNV-Kooperationen im WZB


Konferenzbericht „Innovationen im Taxi- und Mietwagengewerbe. Neue Formen der Taxi-ÖPNV-Kooperation“ am 2. April 2009 im WZB.


Marc Schelewsky berichtet:


Am 2. April fand im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung Berlin (WZB) die Konferenz „Innovationen im Taxi- und Mietwagengewerbe. Neue Formen der Taxi-ÖPNV-Kooperation“ statt. Die vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), der S-Bahn Berlin und dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB) organisierte Konferenz verfolgte das Ziel einen Dialog zwischen dem Taxigewerbe, ÖPNV-Unternehmen anzustoßen und anhand von Best-Practice-Beispielen mögliche Kooperationsformen aufzuzeigen.

Prof. Andreas Knie vom InnoZ führte durch die Veranstaltung, die abschließende Diskussion leitete Weert Canzler vom WZB. Zahlreiche Vertreter aus dem Taxigewerbe, Politik,ÖPNV-Unternehmen, und Verwaltung nahmen an der Veranstaltung teil.

Einleitend stellte Marc Schelewsky (InnoZ) die gesellschaftlichen Implikationen von Taxi-ÖPNV-Kooperationen durch eine Gegenüberstellung der verschiedenen Verkehrsformen heraus. Das Taxi kann als Verkehrsform zwischen MIV und Ö(PN)V positioniert werden, da es Eigenschaften beider Verkehrsformen in sich vereinigt. Als MIV-ÖV-Hybrid ergeben sich dann sowohl Chancen als auch Risiken. Die Risiken bestehen vor allem darin, in dieser Stellung zwischen MIV und ÖPNV vom Kunden nicht wahrgenommen zu werden und somit die spezifischen Potenziale nicht entfalten zu können. Die Chance besteht hingegen darin, in Ergänzung mit dem ÖPNV, genau diese Potenziale und Besonderheiten besser herauszustellen und über kundenorientierte Angebote mehr Marktanteile zu erreichen.

Felix Pohl (S-Bahn Berlin) schloss in seinem Beitrag an die vorherigen Ausführungen an und konkretisierte die spezifischen Eigenschaften von Taxi und S-Bahn und in welcher Form sie sich zu attraktiven Angeboten ergänzen lassen. Herausforderung, aber auch Anspruch sollte eine win-win-win-Situation sein, in der nicht nur die beteiligten Unternehmen profitieren, sondern auch dem Kunden mehr Service und mehr Flexibilität bei der Nutzung des ÖV geboten wird.

 

Zahlreiche Beispiele aus der Praxis, wie eigenwirtschaftliche Angebote und Produkte durch die Integration von Taxis und ÖPNV gestaltet werden können, zeigte Martin Röhrleef (TaxiBus GmbH Hannover, üstra) auf. In Hannover wurde für solche Kooperationen ein Gemeinschaftsunternehmen, die TaxiBus GmbH, zwischen Taxigewerbe und ÖPNV geschlossen. Basis für den Erfolg derartiger Angebote, so die Kern­aussage des Vortrags, besteht in der Formulierung gemeinsamer Ziele und der Über­windung eines Konkurrenzdenkens, entsprechend dem Motto: Besser mit- statt gegeneinander.

Wolfgang Oertel (Vorstandsmitglied BZP und Vorsitzender der Taxigenossenschaft Chemnitz) ging in seinem Vortrag auf die organisatorischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von AST und ALiTa-Verkehren ein. Auch in seinem Fazit betonte Herr Oertel, dass nur in der gemein­samen Herausarbeitung der systemimmanenten Vorzüge und Nachteile beider Sparten die Chance besteht, integrierte Mobilitätsangebote umzusetzen, die sowohl die konkreten Mobi­litätsbedürfnisse der Kunden als auch ökonomische und ökologische Aspekte berücksichtigen.

 

Die Veranstaltung schloss mit einer kurzen Podiumsdiskussion und Fragen aus dem Publikum. Hier kristallisierten sich vor allem zwei wesentliche Erkenntnisse heraus. Zunächst wurde als größtes Hemmnis gemeinsamer Kooperationen auf die unterschiedlichen Unternehmens­kulturen verwiesen. Doch gleichermaßen konnten sich alle Anwesenden auf die Notwendigkeit verständigen, den durch die Veranstaltung angestoßenen Dialog fortzuführen, um diese als „mental“ bezeichnete Hürde zu überwinden und mit gemeinsamen Angeboten einen Beitrag zu einer attraktiveren, aber auch ökonomisch und ökologisch nachhaltigen öffentlichen Verkehrs­landschaft beizutragen.


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