Journalisten sollen rechnen lernen
23.12.2006
von:
Richard Leipold

Journalisten sollen rechnen lernen

Auf Initiative des Berliner Tagesspiegels war John Ullmann zu Vorträgen an der Europa-Universität Viadrina eingeladen. Er ist Direktor des World Press Institutes in Minnesota, USA. "Nicht die Zahl ist die Nachricht, sondern ihre Bedeutung", erklärt er seinen europäischen Kollegen. Nacherzählen bedeute nicht berichten.

Gerade bei Aussagen, die auf statistischen Aussagen fußen sei es notwendig nachzurechnen. Die hierfür notwendigen Fähigkeiten im Umgang mit einem Kalkulationsprogramm bringt Ullmanns Kollegin Mary Jo Webster nun den Journalisten bei. "Wer Tabellenkalkulation beherrscht, kann schläfrige Statistikämter überholen, Zitate („die Jugendgewalt steigt“) durch Zahlen (welche Straftaten, welche Altersgruppen?) untermauern oder widerlegen und Trends erkennen, die die Konkurrenz noch nicht bemerkt hat, ..." schreibt am 23.12.2006 der Berliner Tagesspiegel .


Es würde mich freuen, wenn der Tagesspiegel seine Forderung nach Verbesserung der Rechenkunst auch an sich selber stellen würde. In der Berichterstattung über den Tarifantrag von Berliner Taxiinnung und dem Taxiverband Berlin beispielsweise vermisst der Leser eine Beurteilung dieses Antrags. So eine Beurteilung fällt allerdings sehr schwer, wenn nur lapidar das Argument berichtet wird, dass die Kosten für die Taxiunternehmer angestiegen seien. Dabei wäre in diesem Fall die Recherche so einfach. Auf der Internetseite der Berliner Taxi Vereinigung (www.berliner-taxi-vereinigung.de) sind Fakten, Daten und Kommentare zu diesem Sachverhalt leicht zu finden. Ich habe mich bemüht für jede Ausage öffentlich zugängliche Quellen anzugeben.

"Wenn alle Journalisten rechnen könnten, gäbe es mehr von diesen Storys", schreibt obs im Tagesspiegel. Das ist richtig. Also: Rechnen Sie selber nach.

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